The Historical Trombone

1553 - 1837: 300 Jahre Repertoire für Posaune

The Historical Trombone - 300 Jahre Repertoire für Posaune ist ein Projekt von Ercole Nisini und dem Label Querstand-Kamprad Verlag mit CD Einspielungen und Konzertprogramme über das solistische Repertoire für Posaune von der Spätrenaissance bis zur Frühromantik.

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The Renaissance Trombone

Ercole Nisini - Instrumenta Musica

Musik von Francesco Rognoni, Diego Ortiz, Giovanni Bassano, Giovanni Battista Bovicelli, Bartolomé de Selma y Salaverde

…... per il trombone alla Bastarda
Der Komponier- und mindestens ebenso der Kommentarlust des Wolfenbütteler Hofkapellmeisters Michael Praetorius haben wir unschätzbare Informationen über jene Musikpraxis Europas im Allgemeinen und Deutschlands im Besonderen zu verdanken, die man während der großen Epochenwende zwischen Renaissance und Barock um das Jahr 1600 pflegte. Auch zum solistischen Spiel auf der Posaune, das im Mittelpunkt des heutigen Konzertes steht, äußert sich Praetorius in seinem dreibändigen Traktat Syntagma Musicum – konkret in dessen zweitem Teil De Organographia von 1619, in dem er die seinerzeit gebräuchlichen Instrumente beschreibt und im angehängten Theatrum Instrumentorum in maßstabgerechten Bildtafeln veranschaulicht. Praetorius erwähnt einen Posaunenvirtuosen, der ihn mit seinem außergewöhnlichen Tonumfang beeindruckt hat: Erhardus Borussus. Wer dieser latinisierte »Erhard Preuß« (oder Erhard aus Preußen?) war, dessen Künste uns der ebenfalls mit latinisiertem Namen zeichnende und ursprünglich auf den Nachnamen Schultze hörende Musikpublizist hier vorstellt, dazu lässt sich heute nicht mehr viel sagen. Das Wirken des Posaunisten Borussus in Dresden und Polen könnte aber auf eine Tätigkeit in höfischen Diensten hindeuten: »Wiewol etliche (als unter andern der berümbte Meister zu München, Phileno) durch vielfeltige Ubung auff  diesem Instrument so weit kommen sind, daß sie unten das D, und oben im Discant das c’’ d’’ e’’ ohne sonderbare beschwerung und Commotion anstimmen. Sonsten hab ich noch einen zu Dreßden, den Erhardum Borussum, welcher sonsten in Polen sich noch anjetzo auff halten sol, gehöret; Derselbe hat diß Instrument also gezwungen, daß er darauff  fast die höhe eines Zincken, Als nemblich, das oberste g’’ sol re ut; Auch die tieff e einer Quart-Posaun, als das A1 mit so geschwinden Coloraturen und saltibus, gleich auff  der Viol de Bastarda, oder auff  eim Cornet, zuwege bringen, erreichen und praestiren können.«

Auf der Posaune zu spielen wie auf dem virtuosen Zink (italienisch: Cornetto) oder auf der Viola alla bastarda, das heißt, die melodische Linie einer Diminution oder Improvisation durch die verschiedenen Stimmen einer Motette oder eines Madrigals zu führen. Diminution bzw. »diminuieren« meint, die großen Notenwerte einer polyphonen Komposition mit kleineren, zur Harmonie passenden Notenwerten auszufüllen. Das beliebteste Instrument dieser Aufführungspraxis war um 1600 eben die Viola bastarda – eine Gambe, die dank ihres enormen Tonumfangs eine Bassstimme ebenso wie eine Tenor-, Alt- oder Sopranstimme spielen konnte.

Es sind uns zahlreiche Diminutionen »alla bastarda« über die bekanntesten Madrigale und Motetten überliefert. Einer der frühesten und berühmtesten Musiker, die sich mit dieser Praxis beschäftigt und sie uns in exemplarischen Druckwerken vorgestellt haben, ist der aus Toledo stammende Diego Ortíz.  Er wirkte zur Mitte des 16. Jahrhunderts als Hofkapellmeister im spanischen Vizekönigtum Neapel und veröffentlichte seinen Schule machenden Tratado de glosas mit vielen Musikbeispielen zur Improvisation 1553 in Rom. Gut einhundert Jahre nach Ortiz kam der aus Neapel stammende Lautenist Andrea Falconieri , der zuvor schon in verschiedenen anderen Städten Italiens tätig gewesen war, in das Kapellmeisteramt seiner Geburtsstadt. Zum Dank widmete er sein Libro Primo di Canzone von 1650 dem damaligen habsburgischen Vizekönig, Johann von Österreich. 

Über die Verzierungspraxis der Sänger am Mailänder Dom – beispielweise in den Motetten des römischen Meisters Giovanni Pierluigi da Palestrina – geben die Regole, passaggi di musica, madrigali et motetti passegiati Auskunft, die der Franziskanermönch und Soprankastrat Giovanni Battista Bovicelli 1594 in Venedig in Druck gab. Mailand ist auch die Geburtsstadt von Francesco Rognoni Taeggio , unserem Kronzeugen für das Posaunenspiel »alla bastarda«: In seiner Selva de varii passaggi secondo l’uso moderno per cantare & sonare con ogni sorte de Stromenti von 1620 greift der Geiger auf eine populäre Chanson des Münchner Hofkapellmeisters Orlando di Lasso zurück, und er bezeichnet diese seine Diminution über Susanna d’Orlando ausdrücklich als »Modo di passegiar per il Violone Over Trombone alla Bastarda«. Widmungsträger der Selva ist übrigens der polnische König Sigismund III. Wasa. Dessen Sohn Karl Ferdinand, dem Bischof von Breslau, widmete der spanische Fagottist Bartolomé de Selma y Salaverde  1638 seine in Venedig gedruckten Canzoni fantasie e correnti da suonar. Das deutet darauf hin, dass sich Selma y Salaverde nach seiner Innsbrucker Anstellung beim Erzherzog Leopold von Habsburg Richtung Polen wandte – wo ja laut Praetorius auch Erhardus Borussus wirkte.

Zur Zeit des Frühbarock wurde auch in Deutschland weltliche wie geistliche Musik explizit für Posaune geschrieben oder konnte zumindest nach der Praxis »per sonar con ogni sorta de stromenti« mit Posaunen gespielt werden. Das deutsche Repertoire repräsentieren im heutigen Konzert Werke der »drei großen S« des 17. Jahrhunderts: ein ursprünglich für Vokal- und Generalbass konzipiertes geistliches Konzert des kursächsischen Hofkapellmeisters Heinrich Schütz  in Dresden, ein Choralsatz und eine Folge von Tänzen seines Leipziger Freundes, des Thomaskantors Johann Hermann Schein , sowie ein instrumentales Lamento und eine für Orgel konzipierte Choralfantasie des Musikdirektors in Halle, Samuel Scheidt .

Auf welcher Art von Posaune mag Erhardus Borussus damals vor Praetorius gespielt haben? Die Posaunen-Familie wies seinerzeit wie die Familien der Blockflöten, der Gamben oder der Dulziane eine große Bandbreite an Baugrößen auf, so dass alle Stimmen eines polyphonen Satzes besetzt werden konnten. Es gab Posaunen in A, in G, in F, in E und in D. Es wurden Stimmen für diese verschiedenen Instrumente geschrieben und in den passenden Schlüsseln notiert. Das Instrumentenmuseum der Accademia filarmonica in Verona besitzt das wunderschöne Exemplar einer Posaune, die 1579 von Anton Schnitzler in Nürnberg gebaut wurde. Diese »Tenorposaune« hat die physische Länge eines Instrumentes in G (bei einem Stimmton von a = ca. 466 Hz); sie ist also um einen Ton tiefer als die »gemeine rechte Posaune« (wie Praetorius sie nennt), die in der Renaissance- und Barockzeit in A gestimmt war. Ein weiteres Exemplar einer G-Posaune, 1631 von Hanns Heinlein ebenfalls in Nürnberg gebaut, befindet sich im Musikinstrumentenmuseum in Leipzig.

Wir sind der Überzeugung, dass ein großer Teil des Repertoires für Posaune um 1600 idealerweise auf einem Instrument nach Art der Posaune aus Verona zu spielen ist. Mit ihrer wunderbaren Baritonlage, die sich tief bis zum G1 und hoch bis zum c’’ oder d’’ erstrecken kann, eignet sie sich einfach am besten für das Spiel »alla bastarda«.

Ercole Nisini / Bernd Heyder

Konzerte: Tage Alter Musik Regensburg, WDR Funkhauskonzerte, Brandenburgische Sommerkonzerte, Heinrich Schütz Musikfest Dresden, Schütz-Haus Bad Köstritz, Silbermannorgeltage Crostau, Posaune Symposium  u.a.

The Baroque Trombone

Ercole Nisini - Instrumenta Musica

Musik von Tommaso Albinoni, Georg Philipp Telemann, Benedetto Marcello, Domenico Gabrielli

....Die Emanzipation der Posaune
So wie die Spätrenaissance und das Frühbarock mit Sicherheit eine der fruchtbarsten Zeiten für das Posaunenrepertoire gewesen sind, so ist im Gegenteil das Hochbarock, ab dem letzten Viertel des 17. Jh. bis Mitte des 18. Jh., wahrscheinlich das dunkelste.
Gegen Ende des 17. Jh. verschwanden die Posaunisten langsam aus dem Hof- und Kirchenregister in ganz Europa, ausser in Österreich (Wien und Salzburg) wo scheinbar die Tradition die Vokalsätze geistlicher Musik mit Posaunen zu verdoppeln kaum aufgehört hat, bis Christoph Willibald Gluck und Wolfgang Amadeus Mozart als erste die Posaunen wieder auf die Theaterbühnen und in die Musikgeschichte integriert haben.
Im Laufe des 17. Jh. entwickelte sich die große Familie der Streichinstrumente zur Vollendung, Posaunen und Zinken wurden immer mehr von Oboen und Fagotten ersetzt, Instrumente, die in der  ersten Hälfte des 18. Jh. die Hauptrolle  in der Instrumentalmusik von Telemann, Bach, Vivaldi, Albinoni übernommen haben.  
Die Entwicklung dieser Instrumente begleitete auch den Wandlung der instrumentalen Idiomatik des Barockzeitalters. Die primäre Aufgabe der Musikinstrumente zur Mitte des 16. Jh., die menschliche Stimme zu imitieren wurde eher von der individuellen und besonderen Sprache der Instrumente ersetzt. Die instrumentalen Musikgattungen, die sich im Barock entwickelten, wie die Symphonie, die Triosonate und das Konzert für Soloinstrumente zeigen uns die definitive Emanzipation der Instrumentalmusik.
Die Posaune hat dieser Entwicklung nicht standgehalten. Zusammen mit dem Zink war sie im 16. und Anfang des 17. Jh. eines der beliebtesten Musikinstrumente wegen ihrer Fähigkeit, die menschliche Stimme  nachzuahmen. Vielleicht hat die Tatsache, das die Posaune sich  baulich nicht verwandelt hat, wie es bei anderen Instrumenten geschehen ist, z.B. bei der Schalmei zur Oboe, und sich somit nicht von der instrumentalen Idiomatik des 16. Jh. getrennt und emanzipiert hat , bewirkt, dass die Posaune nicht an dem musikalischen Stil und der Mode des Hochbarock teilnehmen konnte und darum auch von den meisten Komponisten unbeachtet blieb.
Wie oben erwähnt müssen wir fast hundert Jahre warten, bis die Posaune wegen ihrem besonderen Klang von Gluck und Mozart wieder auf die Hauptbühne der Musikgeschichte gebracht wurde und wahrscheinlich deswegen eine neue Chance hatte seine eigene Idiomatik zu entwickelt, so dass auch die ersten Konzerte für dieses Instrument in der zweiten Hälfte des 18. Jh., in der sogenannten klassischen Musikperiode  geschrieben wurden.

….. Wie wäre es gewesen, wenn Komponisten wie z.B. Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Tommaso Albinoni, Johann Sebastian Bach, die die Barockmusik so beeinflusst und bestimmt haben, die Möglichkeit gehabt hätten, ein Konzert oder eine Sonate für Posaune zu schreiben? Wie wäre es gewesen, wenn damals die Posaune ein zum Fagott oder der Oboe gleichberechtigtes Instrument gewesen wäre? Es gibt, wie oben versucht zu erklären, sicher genug Gründe warum es nicht so geschehen ist, aber wenn zum Beispiel, dank auch eines besonders begabten Spieler am Hof, einer dieser großen Komponisten ein bedeutendes Werk für Posaune geschrieben hätte, wie hätte es geklungen? Diese CD möchte eine mögliche Antwort dieser absurden, wie spannenden Frage sein. Die Bearbeitungen, die hier erklingen möchten auf keinen Fall ein neidischer Blick auf die für einen Posaunisten unspielbare Barockmusik und darum auch keine Karikatur von beliebten Barockinstrumenten sein, sondern der konkrete Versuch ein Barockrepertoire für dieses Instrument  vorzustellen, so als ob die Posaune diese großen Komponisten inspiriert hätte.

Ercole Nisini

Konzerte: Unerhörte Mitteldeutschland,  Dreikönigskirche Dresden, Posaune Symposium, Goslar, Orgel Plus Dresden Kaditz u.a.
Videoclip „The Italian Focus“  https://youtu.be/AOxCNRXJ8lg

„Blockflötisten werden vielleicht eifersüchtig, wenn sie hören, wie klangsinnig und spielfreudig Ercole Nisini und die Barockfagottistin Monika Fischaleck da durchsteuern. Ein Solo-Ricercar von Domenico Gabrielli (…) funktioniert auf der Posaune natürlich auch gut, wenn einer so beredt und fantasiereich artikuliert wie Nisini. Der Hör-Lust steht mithin nichts im Weg, auch mit den Kompagnons aus dem Ensemble „Instrumenta Musica“ nicht.“ CONCERTO DAS MAGAZIN FÜR ALTE MUSIK

„Wer der Meinung ist, Posaunen seien langsam, ungelenk und nicht immer intonationssicher, der wird mit dieser CD definitiv eines Besseren belehrt: Äußerst geschmackvoll und stilsicher gestaltet sind neben dem Ricercar 2 von Domenico Gabrielli zum Beispiel auch das Concerto a Cinque No. 2 von Tommaso Albinoni, und von technischen Schwierigkeiten keine Spur! Ganz im Gegenteil: Die Telemann-Sonata 4, auf dieser CD für Barockposaune und Barockfagott (Monika Fischaleck) eingespielt, ist technisch so einwandfrei, dass man sich bei diesem musikalischen Wettstreit fast nicht entscheiden kann, welcher der beiden fantastischen Musiker ihn gewinnt, und das Stück immer und immer wieder hören möchte.
Dass Ercole Nisini so ein hochbegabter Musiker ist, steht nach dem Hören dieser CD jedenfalls außer Frage“ DAS ORCHESTER.

The Classic Trombone

Ercole Nisini - Katarzyna Drogosz

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven

..... Ein Liederabend für Klassische Posaune und Hammerklavier

Bevor die Musik seit dem 20. Jahrhundert durch Radio und Tonträger übertragen wurde und in jedes Haus gelangte, wurden die bekannten „Hits“ der jeweiligen Musikepochen privat im häuslichen Gebrauch genossen, indem man sie selber auf beliebigen Instrumenten spielte. Wollten die Verleger bekannte Musik einem breiteren Publikum zur Verfügung stellen, nutzten sie oft die Möglichkeit, sie für andere Instrumente bzw. kleinere und einfachere Besetzungen herauszugeben. Partituren von großen Opern und berühmten Arien mit großem Instrumentalensemble wurden für nur ein Tasteninstrument mit Singstimme oder auch für ein Melodieinstrument „reduziert“, also bearbeitet, um das Werk dem größtmöglichen Publikum praktisch zur Verfügung zu stellen.

Es ist z.B. interessant zu sehen, wie John Walsh, der ab 1711 die meisten Werke von Georg Friedrich Händel in London publizierte, in einer Reduktion der Oper „Rinaldo“ zu den bekanntesten Arien neben der originalen Gesangsstimme eine instrumentale Transposition „for the Flute“ vorlegte.

Auch in der Zeit der Romantik war es nicht unüblich, Lieder für Instrumente zu bearbeiten. So existiert z.B. das Lied „Mignon“ von Ludwig van Beethoven aus op. 75 in einer Klavierbearbeitung durch Franz Liszt. Die bekannte „Winterreise“ von Franz Schubert wurde schon kurz nach ihrer Erstveröffentlichung (1828) für verschiedene Instrumentalbesetzungen umgeschrieben. Etwa 1850 erschien beim Verlag C. F. Peters eine Bearbeitung für Klavier zu 4 Händen von Hugo Ulrich. Um die gleiche Zeit wurde ebenfalls bei Peters eine Bearbeitung für Soloklavier von Robert Wittmann veröffentlicht. Der herausragende musikalische Ausdruck der Texte bekannter Dichter wie z.B. Goethe, Lessing oder Wilhelm Müller in den Kompositionen von Beethoven und Schubert erlaubt die Verwandlung der Lieder in eine Art Lieder ohne Worte, die mit den so bezeichneten Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy vergleichbar sind. 

Da die Posaune sich mit ihrem Klang der menschlichen Stimme annähert, haben wir uns erlaubt, die schönen „Acht Gesänge und Lieder“ op. 52 von Ludwig van Beethoven mit unserer Besetzung zu interpretieren. Mit der Hilfe von Dämpfern an der Posaune und an dem Hammerklavier haben wir versucht, unseren Klang so vielseitig wie möglich zu variieren, um den Ausdruck der verschiedenen textlichen Inhalte zu gestalten.

Eine der allerersten Ausgaben, die Nikolaus Simrock (Gründer des Simrock Verlages) um 1793 in Bonn veröffentlichte, ist der Klavierauszug von Mozarts „Zauberflöte“, zusammengefasst von dem Churfürstlichen Kölnischen Hof- und Opern-Sänger Friedrich Eunicke. Dies scheint die erste Tastenreduktion der Oper zu sein, die eben bereits um 1793 in Deutschland uraufgeführt wurde. Genau diese Ausgabe haben wir als Notenmaterial und Grundlage für unser Programm benutzt. Eunickes sehr gut gelungene Reduktionen des Marsches, der den zweiten Akt eröffnet, spielt Katarzyna Drogosz auf dem Hammerklavier ohne auf die Partitur intervenieren zu müssen. Das Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“, welches als Leitmotiv dieses Programm dient, haben wir als Quasi-Duett für Posaune und Hammerklavier interpretiert, auch dank der Verwendung von Dämpfern für die Posaune, die den Klangcharakter ändern können.

Ein weiterer Weg für Verleger und Komponisten, ein größeres Publikum zu erreichen, war, Variationen über bekannte Opernarien oder -themen für Klavier solo oder für Klavier plus ein Melodieinstrument zu komponieren bzw. herauszugeben. Solche Kompositionen hatten in frühromantischen Zeiten einen großen Erfolg und waren eher für den häuslichen Gebrauch gedacht als für die Konzertsäle. Sogar der junge Beethoven komponierte viele Werke dieser Art. Er publizierte zwischen 1797 und 1802 drei Zyklen von Variationen für Klavier und Violoncello: zwei über Themen aus Mozarts „Zauberflöte“ und einen über Händels Oratorium „Judas Maccabaeus“. Den letzten davon, die Sieben Variationen über das Duett Pamina/Papageno „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ spielen wir ohne große Änderungen oder Transpositionen für die Adaption für Posaune und Hammerklavier vornehmen zu müssen. Der idiomatische Charakter der Cellostimme, in dieser Komposition nicht geprägt von Akkorden oder Flageoletts, lässt sich eigentlich gut auf eine Posaune, die sich in der gleichen Stimmlage bewegt, übertragen. Die wenigen Änderungen dieser Stimme wurden von uns vorgenommen, um die technische Spielweise der Posaune zu akzentuieren und zum Vorteil zu bringen.

Die Canzonetta „Deh, vieni alla finestra“ aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ ist einfach eines der schönsten kleinen Schmuckstücke der Musikgeschichte. Die von Mozart vorgesehene Begleitung der Mandoline lässt sich mit dem durchsichtigen saitigen Klang des Hammerklaviers gut interpretieren. Die originale Baritonstimme und das Liebesthema in italienischer Sprache passen hervorragend zu dem italienischen posaunistischen Charakter der Canzonetta in dieser Einspielung.

Ercole Nisini

Konzerte: Wagnerstätte Graupa, Fortepianarum Katowice (PL), Palais Große Garten Dresden, Triptik Tabor (CZ)

The Romantic Trombone

Ercole Nisini - (in Planung)

Musik von Ferdinand David, Christian Gottlieb Müller, Friederik Belke, Carl Henrich Meyer

„Die Posaune in Mendelssohns Zeit“ - Frühromantische Konzerte für Posaune

Die Wurzeln des deutschen romantischen Solorepertoires für Posaune können wir Anfang 1800, genau zwischen dem Ende der Klassik und dem Anfang der Romantik, in Leipzig wieder finden. Friederich Belcke, geboren in Lucka 1795 und ausgebildet bei den Stadtpfeifern von Altenburg und Leipzig, ist der erste deutsche Posaunist, der sich als Solist mit seinem Instrument, dank eigener Kompositionen, Arrangements und für ihn geschriebenen Konzertstücke etabliert hat. 

Die Uraufführung 1815 durch F. Belcke im Gewandhaus Leipzig des „Concertino für Bassposaune und Orchester“ komponiert von Gewandhausgeiger Carl Heinrich Meyer, scheint der erste Auftritt der Posaune als Soloinstrument in den deutschen Konzertsälen zu sein.  

Ferdinand David (1810 – 1873), engster Freund von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Konzertmeister des Gewandhausorchester, schrieb 1837 das „Concertino pour le trombone basse“. Dieses Concertino, welches noch heute als bekanntestes Pflichtstück  für Posaunisten gilt, wurde für Carl Traugott Queisser, Bratschist und Posaunist des Gewandhaus geschrieben und von ihm selbst unter der Leitung von F. Mendelssohn uraufgeführt. Die originale Partitur und Orchesterstimmen vom David Concertino, verschollen seit Anfang des 20. Jh., stehen heute wieder zur Verfügung, dank einem Manuskript datiert „Bad Warmbrunn 1899“. Die einzelnen Orchesterstimmen wurden vermutlich von einem professionellen Kopist für das Orchester und die Konzertsaison des damaligen deutschen Kurort Bad Warmbrunn (heute Ceplice – Polen) aus der Originalpartitur des Concertino kopiert.

Christian Gottlieb Müller (1825 – 1838), 1.Geiger im Gewandhausorchester, danach Schlossorganist und Stadtmusikdirektor von Altenburg, komponierte das „Concertino in Es-Dur für Bassposaune und Orchester“ auch für C.T. Queisser, der 1828 das Concertino aufführte.

Ercole Nisini spielt dieses Repertoire auf einer Kopie einer Uhlmann Posaune aus Wien, gebaut ca. 1840 für die „Königliche und Kaiserliche Kapelle“.

Ercole Nisini